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Text:"Arbeiter und Arbeiterinnen! Während in den Gebieten, die direkter Kriegsschauplatz waren, der Höhepunkt der Leiden bereits überschritten ist, bekommt die Bevölkerung Wiens die Segnungen des Weltkrieges erst (...)in ihrer ganzen unmenschlichen Härte zu spüren. Die Krone hat ihre Kaufkraft verloren. Lebensmittel, Kohle, Rohstoffe fehlen. (...) Mit beklemmender Angst sehen alle den nächsten Wochen entgegen. (...). Da glauben die schwarz-gelben Teufel, daß ihre Stunde wiedergekommen, daß sie sich dem Volke als Retter in der Not aufspielen können. Beim Kriegs- beginn ist es ihnen so gut gelungen, den Unverstand der Massen auszu- nützen, dem Volke einzureden, daß der habsburgische Weltkrieg für die Beglückung der Völker geführt wurde. (...). Und traurigerweise waren es auch Arbeiter und Arbeiterinnen (...) die den Betrügern auf den Leim gingen. Und da denken die frechen Agenten des zudringlichen Habsburger- gesindels, warum soll die Spekulation auf die Leichtgläubigkeit des Volkes nicht ein zweites Mal gelingen? Und so hoffen die Monarchisten, daß sich das Volk, anstatt die traurigen Lehren des Weltkrieges zu ziehen, die Wiedereinsetzung der Kriegsstifter gefallen lassen werde, daß die glorreichen Habsburger mit ihrem ganzen Gefolge von ruhm- bedeckten Offizieren und hochintelligenten Grafen als Herrscher von Gottes Gnaden wieder glücklich seien. (...) Zu unmittelbar wirkt auf das Volk von Wien das abschreckende Beispiel des reaktionären Ungarn. Dort sehen wir, wie alle Methoden der Schreckensjustiz (...) in unver- minderter Grausamkeit praktiziert werden. (...) Die Konter- revolutionäre toben ihren Rachedurst aus. Sie haben dem Volke einzig zu bieten Gewalt anstatt Brot. Und dieses Regime des weißen Schreckens (...) hoffen sie auch auf Deutschösterreich zu übertragen. Die Konterrevolutionäre in Ungarn lauern auf einen Konfliktstoff mit Deutschösterreich. Sie wünschen nichts sehnlicher, als uns in einen Krieg hineinzuziehen (...). Die Rechnung wird ihnen nicht gelingen, wenn die Arbeiterschaft ihrem alten Grundsatz treu bleibt: Wir lassen uns weder einschüchtern noch provozieren! Aber wir warnen die Agenten der monarchistischen Reaktion. Schon haben sie es gewagt, auf deutsch- österreichischem Boden frechen Menschenraub zu verüben. Unter dem Deckmantel diplomatischer Unverletzlichkeit hat sich der ungarische Militärbevollmächtigte Graf Takacs=Tolay an diesem Verbrechen beteiligt. Die deutschösterreichische Regierung hat pflichtgemäß verlangt, daß unser Land künftighin von diesem Verbrecher verschont bleibe. (...). Aber noch immer treibt sich eine Menge ungarische Offiziere als Agenten der Konterrevolution in Wien herum. Ihr Vorwand ist "die Liquidierung". Die Nationalversammlung hat bereits vor Weihnachten beschlossen: die Liquidierung wird liquidiert. (...) Wir fordern die Ausweisung aller Helfershelfer der Reaktion! Aber nicht minder gefährlich als die Reaktionäre aus Ungarn sind diejenigen im eigenen Lande. Eine Haupttruppe hat sich die Konterrevolution in dem sogenannten "Bürger= und Ständerat" geschaffen, der in der Wahrheit nichts anderes ist als der Rat der Wucherer und Ausbeuter. (...) Aber das deutschöster- reichische Proletariat wird sich nicht vergewaltigen lassen. Die Arbeiterklasse weiß, daß der gegenwärtige Zustand in keiner Weise ihrem Ideal entspricht, vom Sozialismus noch weltenfern ist. Wir haben keine sozialistische Regierung, denn neben Vertretern der Arbeiterschaft sitzen in gleicher Stärke Vertreter der Bürger und Bauern in der Regierung. Aber das eine muß die Regierung leisten, sie muß die Republik erhalten (...). Darum ruft der Wiener Kreisarbeiterrat in seiner konstituierenden Sitzung die Proletarier Wiens auf: Seid auf der Wacht vor den Anschlägen der Reaktion! (...) vor den Intrigen der ungarischen Konterrevolutionäre! Haltet euch bereit, wenn unser Ruf ergeht, um zu demonstrien für die Verteidigung der Republik gegen alle Anschläge der Mächte der Vergangenheit! (...) Der Kreisarbeiterrat Wien."
Plakatarchiv 3/90
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95x63 cm
1919
morsch, groĂźe Risse
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PzpA. M Plakate vor 1945. Archivsignatur: Plakatarchiv 3/90. Datenbanknummer: VGA_238. "". (https://zeithistorische-archive.at/digitalisate/plakate.a42c9873-ca51-414d-9a8a-fd9c057074b9; abgerufen am 12.10.2026)